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Snow White

fantasievoll und bunt inszeniert

Handlungsballett von Richard Wherlock

Musik von Dimitri Schostakowitsch

Bei Richard Wherlock geht es diesmal märchenhaft zu und her. Er schickt in diesem abendfüllenden Handlungsballett das uns allen wohlbekannte Schneewittchen auf eine Reise durch den dunklen Zauberwald, über sieben Berge zu den sieben heiteren Gesellen, die das Mädchen fortan vor allerlei Unbill bewahren. Allem voran natürlich vor der grausamen Stiefmutter. Wer also die Schönste im ganzen Land ist und ob am Ende ein Prinz mit sieben dreh- und sprungfreudigen Zwergen konkurrieren kann, das erfahren Sie in Richard Wherlocks fantasievoll und bunt inszeniertem Märchenballett «Snow White».

Premiere am 14. Dezember 2013, 19:30 Uhr — Grosse Bühne



 

Nachfolgend der Beitrag von Bettina Fischer, Ballettdramaturgin in der Dezemberausgabe der Theaterzeitung:


Die Freude am Erzählerischen
Richard Wherlock und das Vergnügen, ein Handlungsballett zu choreographieren

Es ist die Lust am Geschichtenerzählen, die Ballettdirektor Richard Wherlock immer wieder packt. Diese älteste und meistgenutzte Form der Unterhaltung. Es stand den Menschen bis vor ein paar hundert Jahren kaum andere Möglichkeiten zur Verfügung. Und noch weit vor dem Aufkommen der Massenmedien fand das Erzählen von Geschichten mithilfe performativer Techniken gefallen. Minnesänger und Troubadoure erzählten singend Geschichten und bereits Ende des 15. Jahrhunderts wurde an den Höfen in Mailand, Ferrara oder Mantua die sogenannten Intermedien aufgeführt. Das waren tänzerische Zwischenspiele mit selbstständiger Handlung, die eigenen dramaturgischen Regeln folgten. Der Tanz dieser Intermedien wurde als wesentliches Mittel zur Erregung des Affektes angesehen. Das möchte auch Richard Wherlock erreichen, wenn er sich an ein neues Handlungsballett wagt. Der Basler Chefchoreograph ist immer wieder fasziniert vom Geschichtenerzählen und will „Den Reichtum, der auf vielen Ebenen in den Märchen steckt, auf unterhaltsame Art zu zeigen und im besten Fall natürlich Gefühle bei den Zuschauern auslösen“, so Wherlock.

Spieglein, Spieglein an der Wand
Es ist das Leben in seiner Vielfalt und es sind vor allem die Figuren, also der Mensch in seiner Verschiedenartigkeit, die Richard Wherlocks Interesse am Märchenstoff Schneewittchen weckten. Das Ballett beginnt, wie das Märchen auch, mit einer Geburt und einem Tod. Als das Schneewittchen geboren wird, stirbt seine Mutter und die Hebamme übergibt das Kind dem König. Das ist für den Choreographen der Auslöser und Ausgangspunkt einer Geschichte über Leben, Tod, Hass, Freundschaft und am Ende sogar noch über die Liebe. Alles Zutaten, davon ist Richard Wherlock überzeugt, die es für ein gutes Handlungsballett braucht und die sich besonders zum tänzerischen Nacherzählen eignen. Es gibt nur einen gradlinigen Handlungsstrang in einem chronologischen Start-Ziel-Schema. Ein linearer Handlungsablauf, der innerhalb des Balletts linear erzählt werden kann. Auch die Erzählperspektive wechselt in Snow White nicht. Selbst wenn wir gelegentlich einen kurzen Einblick in das Gefühlsleben der Stiefmutter bekommen, durch den Spiegel, der als Abspaltung ihrer Persönlichkeit gelesen werden kann. „Ein wunderbarer Stoff für einen Choreographen, diesen Konflikt tänzerisch umzusetzen“, schwärmt Richard Wherlock. Die Stiefmutter besteht, wie schon bei den Brüdern Grimm, darauf, die Schönste zu sein und mit aller Gewalt bleiben zu wollen. Ein recht unmögliches Unterfangen, besonders im Angesicht der Jugend und Schönheit Schneewittchens.

Mit sieben Zwergen zielstrebig in Richtung Erlösung
Für den Choreographen geben auch die anderen Figuren dieses Märchens Anlass zur Freude. Die sieben Zwerge zu choreographieren ist für Wherlock vor allem eines: „Ein Riesenspass! Hier sind der choreographischen Fantasie keine Grenzen gesetzt. Ich kann auf jeden Tänzer eingehen und seine ganz besonderen Fähigkeiten hervorheben. Das sind wunderbare
Momente, bei denen mir während des Choreographierens das gesamte Potential meiner Ensemblemitglieder zur Verfügung steht.“ In den Grimm’schen Märchen gibt es kaum Nebenhandlungen und wir müssen auch nicht zurückblicken um die Figuren zu verstehen. Die Geschichte beginnt mit Es war einmal und schreitet dann voran. Das inhaltliche Grundschema ist meist ein Ablauf, der vom Beheben eines Mangels erzählt oder vom wieder geraderücken eines aus der Ordnung in die Unordnung geratenen Zustandes. Das ist es, was auch Richard Wherlock an den Märchen gefällt: „Auf das Unglück folgt die Rettung, auf die grosse Aufgabe die Lösung. Die Probleme werden überwunden und innerhalb der Geschichte steuern wir zielstrebig auf die Erlösung zu.“ Und wenn sie nicht gestorben sind ....